Paarberatung zwischen Tabu und Chance: Thomas‘ ehrlicher Weg

Titelbild - Paar geht die nächsten Schritte zusammen

Hi, ich bin’s wieder, Anna! In den letzten Artikeln habe ich erzählt, wie ich begann, Selbstführung zu übernehmen – und wie sehr diese Veränderung auch unsere Partnerschaft beeinflusst hat. Was für mich ein Befreiungsschritt war, führte für meinen Mann Thomas zu einer neuen Unsicherheit. Unsere Beziehung geriet in eine Krise, die wir alleine nicht lösen konnten. So entschieden wir eine Paarberatung anzufangen. Wir begegneten die Idee mit gemischten Gefühlen, zwischen Tabu und Chance.

Es war aber unser Wendepunkt. Sie hat uns geholfen, Vertrauen zurückzugewinnen und wieder Nähe aufzubauen. Diesmal möchte ich nicht meine Sicht erzählen, sondern Thomas, meinen Mann, das Wort geben, denn Paarberatung war für ihn auch eine starke Erfahrung, zwischen Angst vor dem Ergebnis, dem Tabu, man spreche nicht mit anderen über die eigenen Beziehungsprobleme, und die Chance für eine deutliche Besserung unseres gemeinsamen Lebens.

Hi, ich bin’s, Thomas!

Hallo, ich heiße Thomas, bin Anfang 40, Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen und leite eine Abteilung mit 30 Mitarbeiter:innen. Ich bin verheiratet mit Anna und Vater unserer zwei Kinder im Volksschul- und Gymnasiumalter.

Ich bin ein Macher, jemand, der gerne Entscheidungen trifft, Verantwortung übernimmt und für andere da ist. Im Unternehmen bin ich ziemlich erfolgreich. Unser Geschäftsführer vertraut mir und lässt mir viel Gestaltungsfreiheit bzw. er holt mich dazu aufgrund meines breiten technischen Wissens. Allerdings fühlte ich in letzter Zeit wie meine Energie immer weniger wird. Ich hatte zu viele Themen am Tisch, sei es zu Hause oder in der Firma.

Wie sah mein Alltag vor der Paarberatung aus?

Post-its - Stichworte für die Paarberatung: Illustration Post-its - Stichworte für die Paarberatung: Illustration

Mein Tag begann früh. Meist um 5 und mit einem Kopf voller Aufgaben. Im Job wollte ich nichts aus der Hand geben, delegieren fiel mir schwer. So sammelten sich Verantwortung und Druck auf meinen Schultern. Mein Geschäftsführer ließ mich auch machen, denn er war vollstens zufrieden. Er konnte endlich darauf vertrauen, dass intern das Richtige gemacht wird und konnte sich dadurch auf die Entwicklung der Firma konzentrieren.

Abends kam ich erschöpft nach Hause. Die Kinder freuten sich riesig, wenn ich die Tür öffnete, und dieses Strahlen gab mir jedes Mal wieder ein Bisschen Kraft. Aber es war die letzte Kraft, die ich hatte. Den Rest des Abends funktionierte ich nur noch – für Anna blieb kaum etwas übrig. Auch für mich selbst blieb keine Zeit und Energie mehr.

Bald merkte ich, dass ich mich veränderte. Ich lachte weniger, hatte immer seltener Freude. Auch in meinem Freundeskreis merkte ich Veränderungen. Ich meldete mich immer weniger bei meinen Freunden und im Nachhinein betrachtet merke ich jetzt, dass ich ihnen die Ohren mit meinen Problemen voll gestopft habe, aber Spaß miteinander hatten wir immer weniger. Zu Hause saß ich abends oft nur mehr auf dem Sofa, schaltete den Fernseher ein und wollte nicht denken, nicht reden, einfach gar nichts fühlen. Es war, als würde ich nur noch vegetieren.

Um Energie zu gewinnen, versuchte ich es mit Golfspielen. Draußen in der Natur, Bewegung, Ruhe – es tat gut. Aber es kostete Zeit. Zeit, die meiner Familie fehlte. Ich probierte andere Sportarten, die weniger Zeit beanspruchten, doch die Schuldgefühle blieben. Es war ein Teufelskreis: Entweder ich war erschöpft zu Hause, oder ich lud meine Akkus auf und ließ Anna und die Kinder allein.

Auch in der Arbeit spürte ich, wie meine Leistung nachließ. Für andere sah alles okay aus, doch innerlich war ich leer.

Paarberatung zwischen Tabu und Chance – meine Ängste

Als Anna das Thema Paarberatung ansprach, war mein erster Gedanke: Geht es hier um Trennung?

Ich hatte Angst, dass alles auf den Tisch kommt, was wir verdrängt hatten – und dass wir daran zerbrechen könnten. Ich hatte Angst vor Veränderung, weil ich wenigstens noch das Gefühl hatte, den Alltag im Griff zu haben und jeder zusätzlicher Tropfen war schon ein Tropfen zuviel. Und ich fürchtete die Ehrlichkeit. Denn wie sollte ich Anna sagen, dass ich oft gar nichts mehr fühlte? Nicht nur für sie, sondern allgemein. Wie sollte sie das annehmen?

Gleichzeitig hatte ich Hoffnung und Erwartungen. Ich wünschte mir, dass die Paarberatung uns Klarheit bringt. Dass wir einen Weg finden, uns wieder näherzukommen. Auch wenn es Mut kosten würde, die Wahrheit auszusprechen.

Der erste Termin – ich war extrem nervös

Zu Beginn sollten wir beide beschreiben, was wir uns von der Paarberatung erwarten. Ich sagte: „Ich möchte, dass Anna weniger kritisiert und mehr Verständnis zeigt.“

Nicolas, unser Berater, stoppte mich sofort: „Thomas, hier geht es nicht darum, was Anna ändern soll. Was wünschst du dir für dich? Wie soll sich das für dich anfühlen, wenn du es erreicht hast?“

Das brachte mich ins Nachdenken. Ich hatte nie wirklich darüber gesprochen, was ich selbst brauche. Ich hatte es sogar verlernt, irgendwann in der Jugendzeit, zwischen Schule, Erziehung und den Wunsch anderen zu gefallen. Langsam fand ich Worte: „Ich möchte wieder Energie spüren. Ich möchte lachen, mit Anna und den Kindern Spaß haben. Ich möchte nicht jedes Wochenende erschöpft sein, sondern präsent.“

    Gewaltfreie Kommunikation – ein neues Tool für mich

    Post-its - Stichworte für die Paarberatung: Illustration Post-its - Stichworte für die Paarberatung: Illustration

    In der ersten Übung ging es um gewaltfreie Kommunikation. Für mich war das Neuland. Meine erste Vorstellung war: ja, nett miteinander sein, sich nicht anschreien. Zwar hatte ich in der Firma schon Kommunikationsseminare besucht, doch dort hatten Gefühle keinen Platz. In der GFK geht es viel mehr darum, seine Gefühle zu kennen, anzuerkennen, dass sie wertvoll sind und die Signale, die sie mir schicken, zu verstehen und dementsprechend zu handeln.

    In der Beratung lernte ich: Gefühle sind immer da – ob wir sie zeigen oder nicht. Unterdrücken wir sie, brechen sie irgendwann an anderer Stelle heraus, oft heftig und unpassend.

    Ich begann zu verstehen: Wenn ich Anna sage, wie ich mich fühle und was ich brauche, ohne Vorwurf, sondern als Bitte, versteht sie mich besser. Und ich verstehe mich selbst besser. Ich übernehme dann die Verantwortung für mich selbst. Dieses Tool half mir nicht nur in der Beziehung, sondern auch im Beruf. Auf einmal konnte ich Konflikte im Team besser einschätzen und meine Mitarbeiter:innen aber auch unsere Kund:innen zu besseren Lösungen führen.

    Die Seil-Übung – unsere Geschichte neu sehen

    Eine andere Übung bestand darin, mit zwei Seilen unser gemeinsames Leben darzustellen – Von dem Zeitpunkt als wir uns kennenlernten bis zum heutigen Tage. Mal lagen die Seile nah beieinander, mal entfernt. Wir legten Symbole für Ereignisse dazu: Geburt der Kinder, Jobwechsel, schöne Urlaube, aber auch schwierige Phasen, wie ein heftiger Streit vor einigen Jahren, der Anna in Erinnerung geblieben war, weil ich sie damals zutiefst verletzt hatte. Mir war es gar nicht mehr bewusst.

    Anfangs fiel es mir schwer, in Erinnerungen zu gehen. Ich bin es gewohnt, die Zukunft zu planen, Gefahren abzuwehren. Aber diese Übung brachte mich zurück ins Hier und Jetzt.

    Ich sah, wie viel wir zusammen geschafft haben. Ich spürte, dass Nähe wieder möglich ist. An manchen Stellen weinten wir, an anderen lachten wir laut. Es fühlte sich an, als hätten wir ein Stück Verbindung zurückgewonnen. Wir redeten auf einmal über uns, über unsere Emotionen, über unsere Wünsche in der Situation. Wir verstanden einander.

      Unsere Paarberatung: kein Tabu mehr sondern ein große Chance

      Post-its - Stichworte für die Paarberatung: Illustration Post-its - Stichworte für die Paarberatung: Illustration

      Nach dieser ersten Sitzung war für mich klar: Ich will weitermachen.

      Die Paarberatung schwankte nicht mehr zwischen Tabu und Chance. Für mich war es nur mehr die große Chance, eine starke Beziehung aufzubauen. Eine Beziehung, in der ziemlich alles perfekt passt. Es hat mir gezeigt, dass ich nicht nur im Modus „funktionieren“ leben muss. Ich habe verstanden, wie sehr mein ständiger Fokus auf Gefahren und Kontrolle mir Energie raubte. Heute versuche ich, mehr auf Chancen zu schauen, auf Verbundenheit mit den Menschen um mich herum – im Beruf wie in der Familie. Und ich versuche auch viel mehr im Hier und Jetzt zu sein, mich zu spüren, mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen und der Zukunft zu vertrauen… Zumindest meistens.

      Ich delegiere mehr an meine Mitarbeiter:innen und sehe, wie sie daran wachsen. Je klarer ich weiß, was ich will, desto besser kann ich sie führen, ohne sie zu erdrücken. Ich traue auch unseren Kindern mehr zu, und sie sind stolz, wenn sie Verantwortung übernehmen dürfen. Und mit Anna habe ich gelernt, wieder klarer und gleichzeitig liebevoller zu sprechen. Und auch sie lasse ich einiges entscheiden. Manchmal holt sie mich dazu, manchmal auch nicht. Trotzdem passt es auch für mich, weil sie weiß, was ich mir wichtig ist.

      Wie sehe ich meine Zukunft?

      Ich habe noch nicht alle Antworten. Aber ich habe Hoffnung. Hoffnung, dass wir unsere Beziehung nicht nur retten können, auch wenn wir erschöpft sind, sondern immer weiter stärker werden. Zuversicht, dass ich wieder lachen und Freude spüren kann. Hoffnung, dass wir als Paar und Familie nicht nur funktionieren, sondern leben.

      Die Paarberatung zwischen Tabu und Chance war für mich kein leichter Schritt – aber ein heilsamer. Ich verstand auch, dass ich mir in der Firma Unterstützung holen kann. Als ich mit meinem Geschäftsführer davon sprach, mich von einem Berater begleiten zu lassen, lachte er und meinte: „ich habe mich schon gefragt, wann du dir endlich zugestehen wirst, dass es alleine nicht mehr geht!“.

      Ich weiß heute: Im geschützten Rahmen der Paarberatung das Schweigen zu brechen war der Anfang einer neuen Nähe und meines neuen Lebens.

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        SelbStärken - Mag. Nicolas Drosson

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