Traumaverarbeitung mit craniosakraler Körperarbeit unterstützen
Menschen erleben in ihrem Leben viele Verletzungen sei es physisch als auch psychisch oder seelisch. Wenn ihr Körper diese Verletzung nicht vollständig verarbeiten konnte, wird diese zum Trauma.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie ich dich in deiner Traumaverarbeitung mit Craniosakraler Körperarbeit unterstützen kann.
In letzter Zeit merke ich, dass immer mehr Menschen mit einem Trauma zu mir kamen. Ich konnte ihnen bereits gut helfen, dennoch wollte ich mich auch in diesem Bereich spezialisieren.
Letzte Woche hatte ich den letzten Block der Spezialisierung in Craniosakraler Körperarbeit bei Trauma an der Sinnspuren Akademie Linz. Mag.a Sandra Doblhammer führte uns mit viel Fachwissen, vielen Übungen und einiges an Spaß durch die Thematik der Traumaverarbeitung. Bei einem solchen Thema ist nicht nur Fachwissen und Können, sondern auch Humor und Leichtigkeit gefragt, um unsere KlientInnen mit viel Gespür und angepasstem Tempo über diese schwierige Schwelle zu führen.
Ich möchte dir hier also erklären, was ein Trauma ist, wie sich ein Trauma auf das eigene Leben auswirken kann und wie ich Traumaverarbeitung mit craniosakraler Körperarbeit unterstützen kann.
Was ist ein Trauma?
Wie oben bereits erwähnt entsteht ein Trauma kurz gefasst aufgrund einer physischen, psychischen oder seelischen Verletzung aus der Vergangenheit, die zu diesem Zeitpunkt nicht vollständig verarbeitet werden konnte.
Warum kann ein Körper eine Verletzung nicht verarbeiten?
Ganz einfach: zu diesem Zeitpunkt war das Ereignis oder eine Reihe an Ereignissen so überwältigend, dass das Nervensystem sie nicht verarbeiten konnte. Der Körper kapselte diese Energie irgendwo ab, damit sie sich nicht weiter verbreiten konnte.
Beispiele, die zu einem Trauma führen können sind:
- ein Unfall
- eine plötzliche Verlustsituation (durch Tod, Trennung/Scheidung, …)
- dauerhafter Stress
- überforderte Eltern/Partner, die nur mehr Gewalt als Lösung sehen
- …
Wichtig ist, zu verstehen, dass ein Trauma nicht das Ereignis selbst ist, sondern durch die Reaktion des eigenen Körpers bzw. der eigenen Psyche darauf entsteht.
Wissenschaftliche Forschung
Die Forschung unterscheidet zwischen Beziehungs, Schock- und Entwicklungstraumata (Bernhard Handlbauer, 2022 – Psychotraumatologie II – Konzepte und Theorien der Psychotraumatologie). Ein Schocktrauma wird zum Beispiel durch einen heftigen Vorfall ausgelöst, während bei einem Beziehungstrauma die Traumatisierung von einer Bindungs- oder Bezugsperson ausgeht. Bei einem Entwicklungstraumata geht die Traumatisierung nicht auf ein einziges Ereignis zurück, sondern auf wiederholte Traumatisierungen. Diese wirken sich langfristig auf die Persönlichkeit aus. In allen 3 Fällen hat das Nervensystem Schwierigkeiten, die erlebten Ereignisse zu integrieren. Daraus können Symptome wie Schlafstörungen, Ängste, anhaltende Unruhe oder chronische Schmerzen entstehen.
Wie äußert sich ein Trauma?
Unsere Ausbildungsleiterin zeigte uns anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis wie vielfältig sich ein Trauma äußern können. In meiner Praxis erkenne ich auch, dass es typische Anzeichen gibt. Viele meiner KlientInnen leiden unter ständiger Anspannung, was sich in Verspannungen und Schmerzen, besonders im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich, zeigen kann. Andere erleben emotionale Taubheit oder das Gefühl, wie „neben sich“ zu stehen, weil der Körper gelernt hat, Reize herunterzufahren, um sich zu schützen.
Eine weitere häufige Reaktion ist das sogenannte „Übererregungslevel“, bei dem Betroffene in einem dauerhaften Alarmzustand sind. Ihr sympatisches Nervensystem läuft auf Hochtouren. Selbst kleine Auslöser können zu intensiver innerer Unruhe, Panikattacken oder Wutausbrüchen führen.
Schlafprobleme und Albträume sind ebenfalls keine Seltenheit. Solche Symptome entstehen, weil das Trauma nicht angemessen verarbeitet werden konnte und das Nervensystem im „Notfallmodus“ gefangen bleibt.
Warum kann die Traumaverarbeitung mit craniosakraler Körperarbeit unterstützt werden?
Craniosakrale Körperarbeit hat ihren Ursprung in der osteopathischen Medizin, konzentriert sich aber auf subtile, sehr behutsame Berührungen entlang des Schädels, der Wirbelsäule und des Kreuzbeins. Dabei wird besonders auf den Fluss der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit geachtet, welche für den craniosakralen Rhythmus verantwortlich ist. Dieser Rhythmus und die dazugehörigen feinen Bewegungen (z. B. an den Schädelknochen) sind eng mit dem Nervensystem verbunden.
Aus meiner Erfahrung beruhigt sich das autonome Nervensystem, indem es dem Körper erlaubt, aus dem ständigen Alarmzustand herauszutreten. Die Berührungen vermitteln Sicherheit und Geborgenheit – ein zentraler Aspekt für die Traumaverarbeitung. In diesem Zustand kann sich das Nervensystem regenerieren und festsitzende Spannungsschleifen beginnen, sich zu lösen.
Viele meiner KlientInnen, die ein Trauma erlebt haben, vermeiden unbewusst jegliches körperliche Empfinden, weil es mit schmerzhaften Erinnerungen verknüpft sein kann. Durch craniosakrale Körperarbeit lernen sie, wieder eine Verbindung zu ihrem Körper aufzubauen. Diese erneuerte Wahrnehmung legt oft den Grundstein für weitere therapeutische Schritte.
Sollte es auch dir so gehen, ich kann dir versichern:
- bei mir bleibt alles, was gesagt oder erlebt wird in der Praxis.
- ich begleite dich mit viel Gespür und genau in deinem Tempo. Wenn es zuviel wird, führe ich dich in einen entspannenden Zustand zurück. Du entscheidest, ob es gleich oder an einem anderen Tag weitergeht. Jeder kleine Schritt in der Traumaverarbeitung ist bereits ein großer Erfolg.
- ich bilde mich ständig weiter, um dich so gut und sicher wie möglich zu begleiten. Das umfasst auch die regelmäßige Inanspruchnahme von Supervision, um anonymisierte Fälle zu besprechen und weitere Ansätze auszuarbeiten.
Was habe ich in der Weiterbildung gelernt?
In der Spezialisierung zum Thema Gespräch und Traumaverarbeitung ging es viel mehr darum, das Trauma in ganz kleinen Schritten im eigenen Körper zu spüren als darüber zu sprechen. Wenn ich craniosakral arbeite, arbeite ich am Körper. Da sind Empfindungen im Körper viel wichtiger als die konkrete Erinnerung an das Ereignis. Das Trauma ist im Körper als Energie abgespeichert, aber das Ereignis kann unter Umständen nicht mehr greifbar sein.
Die Voraussetzung für jede Sitzung!
Ein Schwerpunkt der Weiterbildung lag auf dem Thema „Sicherheit schaffen“. Damit du überhaupt positive Erlebnisse aus einer Cranio-Sitzung mitnehmen kannst, musst du dich zuerst in vollständiger Sicherheit fühlen. Ist es nicht der Fall bleibt dein Nervensystem in Alarmbereitschaft und jeglicher Versuch, Entspannung zu erreichen, scheitert. Klar ist, dass du jederzeit „Stop“ sagen kannst. Das tut dein Körper womöglich auch von selbst.
Speziell in der Traumaverarbeitung ist dein Sicherheitsgefühl wichtig, denn du öffnest dich vollständig und vertraust voll und ganz darauf, dass ich dich professionell durch diesen schwierigen und oft schmerzhaften Prozess führe.
Techniken der Traumaverarbeitung mit craniosakraler Körperarbeit
Besonders interessant für mich waren die verschiedenen Ansätze, die ich je nach Situation anwenden kann. Je nachdem, ob das traumatisierende Ereignis präsent ist, können unterschiedliche Techniken angewendet werden wie z.B. die rein körperliche Verarbeitung, ohne näher auf die Erinnerung einzugehen, das sichere Wiedererleben und bei Bedarf „neuprogrammieren“ des Ereignisses in der Erinnerung, …
Als psychosozialer Berater bin ich daran gewöhnt, mit meinen KlientInnen traumatisierende Ereignisse aus psychologischer Sicht zu verarbeiten. In der Weiterbildung hat unsere Ausbildungsleiterin noch einmal betont, welche Unterschiede in der psychologischen und der körperlichen Verarbeitung eines Traumas zu finden sind. U.a. konzentriere ich mich in einer craniosakralen Sitzung ausschließlich auf das Körperempfinden und auf die entsprechenden Griffe. In einer reinen Beratungssitzung spielt das Körperempfinden eine wichtige Rolle, aber die rationale Verarbeitung genauso. Weiters berührt ein Berater seine KlientInnen nicht (außer Handschütteln bei Begrüßung/Verabschiedung natürlich ;-)). Auch wichtig zu erwähnen ist, dass ein Trauma sehr häufig sowohl aus psychologischer als auch aus körperlicher Sicht verarbeitet werden muss, um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.
Grenzen und Stärken der craniosakralen Körperarbeit in der Traumaverarbeitung
Craniosakrale Körperarbeit ist aus meiner Sicht eine effektive Begleitung für die Traumaverarbeitung.Bestehende psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen müssen zusätzlich durch Psychotherapie begleitet werden. Weiters müssen physische Beschwerden zuerst medizinisch abgeklärt sein, bevor eine craniosakrale Begleitung in Erwägung gezogen wird. Die Stärke der Cranio liegt in ihrem sanften, nicht-invasiven Ansatz, der den Körper und das Nervensystem beruhigt und unterstützt, ohne erneuten Stress zu erzeugen. Sie kann somit eine solide Basis schaffen, um weiterführende Maßnahmen besser zu integrieren.
Wenn jedoch akute traumatische Zustände andauern, massive Ängste oder Panikattacken vorherrschen, ist es notwendig, erst einmal psychotherapeutische Unterstützung hinzuzuziehen.
Vielen herzlichen Dank an Mag.a Sandra Doblhammer von der Sinnspuren Akademie Linz für diese tolle Weiterbildung!
