Beziehung retten trotz Erschöpfung – Annas Mut zur Veränderung
Hi, ich bin Anna, wir kennen uns vermutlich von meinem letzten Artikel, in dem ich erzähle, wie ich meinen Weg in die Selbstführung fand. Das hatte auch Auswirkungen auf meine Partnerschaft. Sie war vorher schon nicht sonderlich harmonisch. Jetzt streiten wir aber immer öfter. Das wars aber noch nicht, oder?
Beziehung retten trotz Erschöpfung – das war für mich fast schon ein unerreichbarer Traum. Ich hatte das Gefühl, in unserer Ehe nur noch zu funktionieren. Doch irgendwann wusste ich: So konnte es nicht mehr weitergehen. Ich möchte dir heute von unserer ersten Paarberatungssitzung erzählen – und wie mein Mann Thomas und ich den Mut fanden, einen neuen Weg zu gehen.
Zuerst möchte ich euch meinen Mann kurz vorstellen:
Thomas ist ein Mensch, auf den man sich verlassen kann. Er ist fleißig und sehr bemüht. Er übernimmt gerne Verantwortung – im Job genauso wie in der Familie. Für viele wirkt er stark, strukturiert und immer handlungsfähig.
Doch das ist nur die Oberfläche. Dass auch er erschöpft war, dass auch er mit dem Ungleichgewicht unserer Beziehung kämpfte, habe ich erst nach und nach verstanden. Aber dazu später mehr.
Beziehung retten trotz Erschöpfung dank der Paarberatung
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich Thomas von der Paarberatung erzählte. Mein Herz klopfte. Ich hatte Angst, dass er ablehnen würde. Gleichzeitig war da diese Sehnsucht: endlich wieder eine echte Partnerschaft zu leben.
„Thomas“, sagte ich, „ich kann so nicht mehr weitermachen. Ich fühle mich leer, fremdbestimmt, irgendwie bin ich nicht mehr ich selbst. Wir streiten immer mehr und ich habe Angst um unsere Beziehung.“
Zu meiner Überraschung sah er mich lange an und nickte. „Vielleicht hast du recht. So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Es wird immer schlimmer und ich weiß auch nicht weiter.“
Dieser Moment war der erste kleine Schritt, den wir gemeinsam in Richtung Veränderung gingen.
Die erste Sitzung
Wir waren echt nervös, wussten gar nicht, was auf uns zukommt und wir hatten Angst davor, was herauskommen könnte. Auf der anderen Seite waren wir voller Hoffnung. Nicolas bat uns, nacheinander zu erzählen, was wir uns von der Paarberatung erwarteten.
Ich durfte anfangen
Anfangs brachen die Worte aus mir heraus:
„Ich funktioniere nur und es ist so als wäre es ganz normal! Ich spüre, dass wir uns voneinander entfernen, wir immer mehr streiten und ich habe Angst davor, was als Nächstes kommt. Was ist wenn wir uns kaputt machen?“ So gings noch weiter. Die Wut kochte immer mehr. Ich fing an, Thomas Vorwüfe zu machen, zum Beispiel, dass er Entscheidungen trifft, ohne mich zu fragen. Da unterbrach mich Nicolas.
Er fragte:“Was wünschst du dir denn? Wie stellst du dir das Leben vor, wenn alles so ist, wie du es gerne hättest?“
Schwere Frage. Mir war klar, was ich nicht mehr haben wollte, aber was möchte ich stattdessen? Das erinnerte mich an die Einzelberatung… Auch in diesem Bereich wusste ich nicht mehr so genau, was ich will… Er lies mich nachdenken.
Da atmete ich tief durch und sagte:
„Ich wünsche mir, mich wieder zu spüren und meine leise innere Stimme wieder zu hören. Unsere Beziehung soll sich leicht und lebendig anfühlen. Denn ich möchte nicht mehr fremdbestimmt wirken, sondern mit Thomas gemeinsam Entscheidungen auf Augenhöhe treffen. Ich sehne mich danach, dass wir als Team handeln – nicht ich im Schatten und er im Vordergrund.“
Danach bat Nicolas Thomas Anna’s Wünsche zu wiederholen und seine eigenen Wünsche zu formulieren.
Danach war Thomas an der Reihe
Als Thomas mit seinen Ansichten anfing, war ich überrascht. Er sagte leise:
„Wir geraten immer öfter aneinander. Manchmal habe ich das Gefühl, mein Wort zählt nicht mehr. Alles, was ich sage, wird hinterfragt. Das tut weh. Ich wünsche mir, dass ich wieder Vertrauen spüre – Vertrauen, dass das, was ich sage, Gewicht hat. Ich sage nichts, ohne es überprüft zu haben. Ich möchte, dass wir respektvoller miteinander umgehen und es nicht immer so anstrengend ist. Als Anna sagte, sie wolle, dass wir mehr miteinander entscheiden und mehr als Team handeln, spürte ich wie sehr ich es mir auch wünsche, auch mal nicht stark sein zu müssen.“
Seine Worte trafen mich. Mir war nicht klar gewesen, wie sehr er unter unserer Situation litt. Auch ich durfte seine Wünsche wiederholen.
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Übungen und Erkenntnisse
Nicolas erklärte, er merke, dass wir uns teilweise ungewollt verletzen, so wie wir miteinander reden. Er schlug uns als Erstes eine Übung zur sogenannten gewaltfreien Kommunikation vor.
Gewaltfreie Kommunikation
Was ist gewaltfreie Kommunikation? Wir hatten auch keine Vorstellung davon. Er erklärte uns, es sei eine Methode, um den eigenen Gefühlen Raum zu geben, ohne die anderen zu verletzen. Ich habe es mir so gemerkt, dass ich meinen eigenen Gedanken zuhören und schauen solle, welche Gefühle daraus entstehen. Wenn ein negatives Gefühl anfängt, sich aufzubauen, heißt es, dass eines meiner Bedürfnisse nicht erfüllt wird. Ich kann mir die Frage stellen, welches Bedürfniss sich hier meldet: Was brauche ich jetzt? Nachdem ich das Bedürfnis identifiziert habe ist der nächste Schritt: meinen Wunsch zu erkennen und daraus eine Bitte zu formulieren.
Wichtig ist, mit „ICH“ anzufangen, denn mit „DU“ fangen Vorwürfe an und mein Gegenüber ist schwup di wupp in der Abwehrhaltung. Wir übten, unsere Wünsche klar und ohne Vorwürfe auszudrücken. Statt „Du siehst mich nie!“ sagte ich: „Ich fühle mich oft unsichtbar. Ich brauche Momente, der Wertschätzung. Ich möchte spüren, dass ich wichtig bin, dass du siehst, was ich alles für unsere Familie tue.“ Ich war überrascht zu hören, dass er sich das auch sehnlichst wünschte.
Thomas übte, nicht sofort in Verteidigung zu gehen, sondern zuzuhören und in meinen Worten mein Bedürfnis zu erkennen (falls ich mal wieder mit Vorwürfen anfange). Ja es ist nicht einfach. Ich habe jahrelang anders kommuniziert, die Umstellung braucht ihre Zeit, aber es lohnt sich. Ich darf wieder Gefühle spüren und ich verstehe jetzt, warum sie hier sind. Auch bei meinen Kindern kann ich nun besser verstehen, was sie brauchen.
Es war ungewohnt, manchmal fast komisch. Aber plötzlich merkte ich, dass wir einander auf einer tieferen Ebene hörten. Trotz Erschöpfung war unsere Beziehung mit kleinen aber sehr wertvollen Veränderungen noch zu retten!
Möchtest auch du erleben, wie gewaltfreie Kommunikation dein Leben verändern kann und mehr gegenseitiges Verständnis bringen kann? Vereinbare jetzt einen Termin:
Die Seile unseres Lebens
Keine Angst, wir sollten uns nicht mit Seilen an die Gurgel gehen. Wir bekamen jeweils einen Seil und sollten damit unser gemeinsames Leben nebeneinander darstellen, angefangen mit unserem Kennenlernen. Mal lagen die Seile eng beieinander, mal weit auseinander. Wir markierten wichtige Ereignisse mit verschiedensten Objekten.
Ich setzte ein Symbol an die Stelle, als unsere Kinder geboren wurden – ein Höhepunkt vollgepackt mit Nähe. Später legte ich ein anderes Objekt für die Zeit, als ich einen Autounfall hatte. Damals hatte ich gespürt, dass Thomas für mich da ist und für mich sorgte. Ein Bisschen weiter ging es mir um die Zeit, als ich immer mehr spürte, wie ich mich nur noch für Haushalt und Job aufrieb – eine Phase, in der unsere Seile weiter auseinander lagen.
Thomas platzierte ein Symbol an den Moment, als er in seiner Firma mehr Verantwortung bekam. „Da“, sagte er, „habe ich das Gefühl gehabt, alles allein stemmen zu müssen.“ Ich schluckte. Ich hatte nicht verstanden, dass er sich damals genauso überfordert fühlte wie ich.
Wir lachten an manchen Stellen, wir weinten an anderen. Und zum ersten Mal seit Langem spürte ich: Wir sehen uns wieder wirklich.
Das letzte Ereignis war jetzt: Wir stehen hier in der Paarberatung. Jetzt ist es an der Zeit zu definieren, wo die Reise hingehen soll. Uns war klar, wir wollen eine gemeinsame Zukunft. Wir gaben uns die Hand. Da war ein starkes WIR-Gefühl und ich fühle mich in unserer wieden entdeckten Verbundenheit bestärkt!
Ein gemeinsames Ziel
Jetzt sollten wir die Vision für unsere gemeinsame Zukunft definieren.
Für mich: Lebendigkeit, Zweisamkeit und Gleichgewicht.
Für Thomas: Vertrauen, Intimität und Entlastung.
Plötzlich war klar: Wir wollen beide im Grunde dasselbe – eine Partnerschaft, die uns stärkt, nicht erschöpft.
Ich ging gefühlt federleicht, gestärkt und mit einer gemeinsamen Vision unserer Zukunft aus dieser Sitzung. Ein neuer Grundstein war gelegt. Ja, die Angst war noch da und die Erschöpfung spürte ich auch noch, doch nun war da auch eine neue gemeinsame Kraft. Ich wusste: Beziehung retten ist trotz Erschöpfung möglich, wenn wir beide bereit sind, hinzusehen und uns einzulassen.
Das hat uns diese Sitzung gebracht
Die erste Sitzung hat uns einen Weg gezeigt, auf dem wir lernen, wirklich miteinander statt aneinander vorbei zu reden. Ein Weg, auf dem wir die Fremdbestimmung hinter uns lassen und die Führung gemeinsam übernehmen. So schaffen wir es das Ungleichgewicht ins Lot zu bringen.
Für mich war es der Beweis: Beziehung retten trotz Erschöpfung heißt nicht, alles perfekt zu machen. Es heißt, den Mut zu haben, einander zuzuhören, zu verstehen, was der andere braucht und mutig neue Schritte zu wagen – gemeinsam.
Und genau das haben Thomas und ich an diesem Tag begonnen.
